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Daddeln führt zu schlechten Noten…
Chatten, gucken, spielen: Nach einer neuen Studie der DAK-Gesundheit sitzt fast jeder 5. Schüler täglich mindestens sechs Stunden vor dem Bildschirm....

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Tourette-Syndrom: Was ist das genau?
Stell dir vor, in deiner Klasse ist ein Junge, der immer wieder fiese Schimpfwörter herausposaunt. „Schlampe. Wichser. Volldepp.“ schreit er einfach heraus, völlig ohne Zusammenhang, lauthals und unkontrollierbar. Würdest du neben ihm sitzen oder mit ihm Fußball spielen wollen?

- In "Ein Tick anders" hat die Hauptfigur Eva (Jasna Fritzi Bauer) das Tourette-Syndrom ©Wüste Film/ Foto: Diana Krüger
Das kannst du dir nur schwer vorstellen? Menschen mit solchem Verhalten leiden wie Eva in „Ein Tick anders“ am so genannten Tourette-Syndrom. Das ist eine Krankheit, bei der die Übertragung der elektrischen Impulse im Gehirn nicht mehr richtig funktioniert. Das führt dann zu diesem auffälligen Verhalten, die Medizin spricht von Tics. Beispiele für einfache Tics sind das Ausstoßen von bedeutungslosen Lauten oder das Nachahmen von Tiergeräuschen. In schwereren Fällen sind es sogar diese Schimpfwörter. Dazu können merkwürdige Bewegungen wie ständiges Augenblinzeln, den Kopf zurück werfen oder Grimassen schneiden kommen. Der Grund dafür ist, dass im Gehirn die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin, die an der Signalübertragung mitwirken, übermäßig aktiv sind.
Die Krankheit wird vererbt, ansteckend ist sie nicht. Kinder und Jugendliche, die an Tourette leiden sind geistig genauso gut entwickelt wie ihre Klassenkameraden. Sie sind in Mathe und Englisch nicht schlechter als andere Kinder, häufig sogar sehr kreativ. Dennoch werden sie oft in die Sonderschule geschickt, weil sie nicht in eine normale Klasse „passen.“ Und hier steckt das größte Problem: viele haben Berührungsängste und halten Abstand. Und genau diese Ausgrenzung macht den Tourette-Patienten schwer zu schaffen.
In Deutschland leiden rund 40.000 Menschen am Tourette-Syndrom. Weltweit schätzten Experten, dass 0,03-0,05 Prozent aller Menschen mit der Krankheit leben müssen. Jungs sind dabei etwa dreimal so häufig betroffen wie Mädchen. In der leichten Form treten Tics bei etwa zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahren auf. Vor allem die Sprach-Tics kommen im Alter von sechs oder sieben Jahren zum ersten Mal vor. Die Forscher vermuten, dass dieses Phänomen mit der Sprachentwicklung des Menschen zusammenhängt. Alle Tics prägen sich in der Regel bis zur Pubertät voll aus. In der Pubertät ist der Höhepunkt erreicht, dann lassen sie bei rund 70 Prozent der Betroffenen wieder etwas nach. Bei manchen Patienten verschwinden die Macken sogar ganz. Die Mehrheit jedoch muss lebenslang versuchen, mit den Tics zurechtzukommen.
Das ist weder für den Betroffenen noch für seine Familie einfach. Oft ist dann das ganze Familienleben angespannt, zusammen zum Essen oder in die Stadt zum Einkaufen gehen, ist nicht so einfach wie für Familien mit gesunden Kindern.
Die Ausbrüche können jederzeit kommen und erregen natürlich die Aufmerksamkeit der anderen Leute. Viele Familien ziehen sich daher lieber aus dem öffentlichen Leben zurück. Das Beste ist es, die Ticks zu ignorieren. Denn werden sie kommentiert, verschlimmern sie sich, sagen Mütter von Tourette-Kindern.
Musik-Therapie und Entspannungstechniken können den Betroffenen im Alltag helfen. In ganz schweren Fällen werden Psychopharmaka eingesetzt. Wegen der Nebenwirkungen dieser Mittel wie beispielsweise Sprach- und Schluckproblemen können sie aber die Erlebnisfähigkeit und Emotionalität einschränken. Heilung gibt es derzeit nicht. Es hilft nur, die Krankheit zu akzeptieren und damit umgehen zu lernen.
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