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Ritzen, schneiden, sich selbst verletzen – warum manche Mädchen und Jungen das tun

- Bild: fotolia.com
Kennst du vielleicht ein Mädchen, das viele Narben an den Armen hat? Einen Jungen, der sich immer wieder Hände oder Füße verstaucht, weil er mit Absicht irgendwo gegentritt oder haut? Oder hast du schon mal so einen inneren Drang verspürt, dich selbst zu verletzen? Wir erklären dir, welche Ursachen das haben kann und wo du Hilfe findest.
Text: Kirsten Khaschei, Diplom-Psychologin
Fachliche Beratung: Dr. Kristin v. Auer, Psychologische Psychotherapeutin
Probleme in der Schule oder Zuhause? Okay, ab und zu vielleicht. Stress, Streit und Ärger mit Erwachsenen oder anderen Mädchen und Jungen? Kann vorkommen, aber Stress vergeht auch wieder. Schließlich gehört es zum Erwachsenwerden dazu, mit Problemen und Stress klarzukommen.
Es kann allerdings auch Situationen im Leben geben, da sind die Probleme plötzlich so unüberschaubar oder vielschichtig, dass man sich plötzlich nicht mehr zu helfen weiß und immer verzweifelter wird. Beziehungen und Freundschaften, die einem eigentlich wichtig sind, geraten durcheinander. Die vielen gegensätzlichen Gefühle lassen sich nicht mehr ordnen, das eigene Leben versinkt im Chaos, man ist innerlich total angespannt und unter Druck und gleichzeitig spürt man sich irgendwie nicht mehr…
Ritzen ist ein Ausdruck von Gefühlschaos
Klingt nach Mega-Stress? Ist es auch! Und in solchen Lebenssituationen und extremen Gefühlszuständen kann es sein, dass Jugendliche anfangen, sich zu ritzen bzw. selbst zu verletzen, um dem schrecklichen Gefühlschaos etwas entgegenzusetzen und auch, um sich wieder selbst zu spüren. Das psychologische Fachwort für Ritzen und andere selbstschädigende Handlungen ist „selbstverletzendes Verhalten“. Die Abkürzung dafür, die man auch oft im Internet liest, lautet „SVV“.
Studien haben gezeigt, dass man in solchen hochangespannten Gefühlszuständen weniger schmerzempfindlich ist. Durch die Selbstverletzung wird die hohe innere Anspannung zunächst aufgelöst und es geht einem wieder ein bisschen besser. „Ich mach’ das, um mich wieder zu spüren“, beschreiben und begründen Jugendliche, die sich ritzen, ihr Verhalten oft. Für Außenstehende ist das meistens nur schwer zu verstehen, dass sich jemand freiwillig so weh tut und das auch noch immer wieder. Tatsächlich kann selbstverletzendes Verhalten zu einer Art Sucht werden, mit der man nicht mehr aufhören kann.
Haben Jugendliche, die sich ritzen, etwas Schlimmes erlebt?
Manche Mädchen oder Jungen, die sich selbst verletzen, haben Schreckliches erlebt und / oder Gewalt erfahren, aber das muss nicht unbedingt so sein. Die Gründe, warum sich jemand selbst verletzt, können sehr vielfältig und unterschiedlich sein. Manchmal spielen dabei auch psychische Erkrankungen eine Rolle, zum Beispiel die Borderline-Störung.
Was du tun kannst, wenn sich Freunde und / oder Mitschüler/innen ritzen
Den meisten Jugendlichen, die sich selbst verletzen, ist das peinlich und unangenehm. Sie wollen nicht, dass andere sehen oder mitkriegen, was sie machen. Wenn sie Wunden oder Narben haben, versuchen sie, diese zu verstecken. Falls du bemerkst, dass sich jemand in deiner Klasse, deinem Freundes- oder Bekanntenkreis selbst verletzt, dann solltest du das ansprechen. Du kannst zum Beispiel sagen: „Du, ich hab’ gemerkt (gesehen), was du machst, und ich mache mir Sorgen um dich. Kann ich dir helfen?“
Wann und wo man Hilfe bekommen kann
Du kannst vorschlagen, gemeinsam zu einem Vertrauens- oder Beratungslehrer zu gehen, vielleicht gibt es auch eine Beratungsstelle für Jugendliche in eurer Nähe, die weiterhilft. Oder ihr wendet euch an einen niedergelassenen Arzt oder Therapeuten für Kinder und Jugendliche.
Wenn du merkst, dass andere oder auch du selbst sich immer regelmäßiger, häufiger und tiefer verletzen, solltest du dir auf jeden Fall professionelle Hilfe und Unterstützung suchen. Für Jugendliche, die sich selbst verletzten, ist es sehr wichtig, zu lernen, wie sie anders – und ohne sich selbst zu verletzen – mit ihren Gefühlen und Anspannungszuständen umgehen. In einer Beratung oder Therapie kann man das lernen. Anlaufstellen und Adressen findest du in unserer Linkliste.
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