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Vor dem Rausch ist nach dem Rausch

Katrin ist jedes Wochenende richtig voll. Mit Bier, Wodka, Schnaps betrinkt sie sich häufig, bis sie erbricht. Mit 16 Jahren macht sie ihren ersten Entzug. Dabei fing alles so harmlos an ...

Katrin fährt Schlangenlinien mit ihrem Fahrrad.

Im Vollrausch: Katrins war Alkoholsüchtig (Bild: istockphoto)

Es ist kurz vor neun Uhr früh, und sie ist auf dem Weg nach Hause. Bevor sie von der Party aufgebrochen ist, hat die 16-Jährige noch schnell ein Glas Mische, das vom Vorabend auf dem Tisch stand, runtergekippt. Nüchtern ist sie nicht. Die wenigen Stunden Schlaf konnten sie nicht von ihrem Rausch befreien. Unterwegs pflückt Katrin ein paar Blumen aus Vorgärten. Es ist der 11. Mai 2008 – Muttertag. Als Katrin zur Tür reintorkelt, ist der Tisch bereits gedeckt. Doch von einem schönen Familienfrühstück kann jetzt nicht mehr die Rede sein. Ihre Mutter riecht Katrins krasse Fahne und schickt sie zum Ausnüchtern ins Bett. Eine Szene, die sich zum wiederholten Mal abspielt. Doch für Katrin soll es heute das letzte Mal sein.

Katrins Alkoholexzesse beginnen mit 13 Jahren

Auf der Abschlussfeier der neunten Klasse gibt ihr eine ältere Freundin einen Becher Wodka-Bull zum Probieren, Katrin schmeckt es. Sie holt sich noch einen. Dann noch einen. „Gedacht hab’ ich mir nicht so viel. Ich hab mich locker gefühlt, und es hat Spaß gemacht“, erzählt Katrin über ihren ersten Rausch. So lustig und harmlos ist es jedoch nicht geblieben. Drei Jahre später ist Katrin Patientin auf „Teen Spirit Island“, einer Therapiestation für drogenabhängige Jugendliche. Dr. Christoph Möller ist dort Leiter der Therapiestation. Er muss täglich mit ansehen, wie Alkohol Jugendliche kaputt macht. „An den legalen Drogen sterben die meisten Menschen“, sagt der Arzt, „140.000 Menschen gehen jährlich an den Folgen des Nikotinmissbrauchs zugrunde, zwischen 40.000 und 70.000 an den Folgen des Alkohols.“ Die Zahl der Toten durch illegale Drogen erscheint im Vergleich verschwindend gering, etwa 1.500 Menschen.

Erst trinkt Katrin nur auf Geburtstagsfeiern

Gefahr Alkohol: 23.165 Jugendliche hatte 2007 eine Alkoholvergiftung (Bild: Corbis)

... und Familienfesten ein Gläschen mit. Doch als sie mit 15 Jahren Nico kennenlernt und mit ihm zusammenkommt, ist das Drama vorprogrammiert. Nico ist bereits 18 Jahre alt und kann Hochprozentiges problemlos kaufen. Und das tut er – jedes Wochenende. Für romantische DVD-Abende auf dem Sofa oder gemütliche Nachmittage in der Eisdiele ist in Katrins Beziehung kein Platz. „Wir haben jedes Wochenende gesoffen“, erzählt Katrin. „Mit Bier wurde vorgeglüht, dann kamen die härteren Sachen auf den Tisch.“ Zwischendurch kotzte Katrin allein auf der Toilette. Und wenn sie ausgenüchtert war, war es meis­tens auch wieder Zeit zum Vorglühen. Nach kurzer Zeit fing die Schülerin auch unter der Woche an zu trinken. Sie leerte abends die angebrochenen Weinflaschen ihrer Mutter, die diese mit ihrem Partner öffnete.

 

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