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Kondome aus Samt und Seide

Tierdärme wurden viele Jahrhunderte lang als Schutz beim Geschlechtsverkehr eingesetzt. Schon die alten Ägypter nutzen Schafdärme. Hammeldärme oder Schwimmblasen von Fischen schienen noch bis ins 19. Jahrhundert hinein die wirkungsvollste Methode zur Verhütung von Syphilis und anderen Geschlechtskrankheiten zu sein. Die strammen Überzieher gab es in einfacheren Ausführungen und als Luxus-Variante mit Futter aus Samt und Seide. Das ist heute genauso undenkbar wie die Tatsache, dass die Kondome mehrfach verwendet wurden. Dazu hat man sie einfach nach jedem Gebrauch gereinigt und getrocknet. Und falls nötig wurden sie auch mal mit Knochenleim und Tierdärmen repariert.  

Gummi-Kondome
Bild: istockphoto


Erst im 19. Jahrhundert kamen die ersten Gummi-Kondome aus Kautschuk auf den Markt. Doch bis zum heutigen Gummi mit Erdbeergeschmack und Noppen war es noch ein langer Weg. Die Kondome um 1900 waren bis zu zwei Millimeter dick und hatten eine Längsnaht. Zum Vergleich: Unser heutiges dünnes Latex-Kondom bringt es gerade mal auf 0,05-0,07 Millimeter. Und weil es so dünn ist, müsst ihr beim Aufreißen der Packung und beim Überstreifen ein wenig vorsichtig sein. Lange Fingernägel beispielsweise können die Kondome ganz schnell beschädigen.

Gummi: alle vulkanisiert

Um ein wasser- und wärmefestes Kondom herstellen zu können, musste aber erst das Verfahren der Vulkanisation erfunden werden. 1839 gelang es Charles Goodyear, Gummi herzustellen, der durch Vulkanisation wasser- und wärmefest, sowie bruchstabil war. 1855 stellte Goodyear das erste Gummikondom vor. Allerdings wurde dieses Modell von einer kleinen Naht an der Seite verziert und protzte mit einer Wandstärke von ein bis zwei Millimetern. Erst im Jahre 1912 perfektionierte Julius Fromms die Kondomherstellung, indem er Glaskolben in die flüssige Kautschuklösung eintauchte. Damit konnte er hauchdünne Kondome mit Reservoir ohne Naht herstellen. 1919 startete er mit der maschinellen Serienproduktion.

Den Kondompackungen ließ Fromm übrigens kleine Faltzettelchen beilegen, die die Kunden in  Apotheken schweigend über den Tresen schieben konnten. Darauf stand: „Bitte händigen Sie mir diskret 3 Stück Fromms-Gummi aus“. 

Seit 1960 sind die Kondome feuchtigkeitsbeschichtet, damit sie sich besser abrollen lassen. Acht Jahre später - rechtzeitig zur sexuellen Revolution der wilden 68er - wurden die Kondome erstmals mit Spermiziden beschichtet – für eine spermienabtötende Wirkung. 1981 kamen dann Kondome mit Kirsch-, Vanille- oder Cola-Geschmack auf den Markt. Bis heute unverändert ist die Tatsache, dass sich Kondome nicht mit Gleitmittel oder anderen chemische Verhütungsmittel vertragen. Der Grund: Sie greifen das Gummi an. Nur wasserlösliche Mittel sind hier erlaubt.  

Wenn du das beachtet, schützen Kondome mit großer Sicherheit vor Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten. Wie die Stiftung Warentest in einem großen Kondomtest im Jahre 2009 herausfand, halten Kondome locker 18 Liter Luft bevor sie zerplatzen. Oft rissen die Verhüterli sogar erst ab 30 Litern Luft. Und defekt sind die wenigsten Kondome. Von 24 500 geprüften Kondomen hatten nur zwei Kondome ein Loch. 

 

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