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„Die Shirley wiehert mir schon von weitem zu“

Bild: istockphoto


Für viele Mädchen (und manche Jungs!) ist Reiten ein absoluter Traum. Die 13-jährige Katharina aus Traunstein darf ihn sich erfüllen. Die Schülerin hat uns erzählt, wie sie zum Reiten gekommen ist, warum sie Ausritte lieber mag als Turniere und wie lange sie im Stall stehen muss.

Ich bin mit zehn Jahren durch eine Freundin meiner Mutter zum Reiten gekommen. Sie gab mir Reitstunden, nachdem meine Mutter hatte ihrer Tochter Nachhilfe gegeben hatte, als Ausgleich sozusagen. Davor hatte ich zwei Jahre voltigiert und daher schon vorher etwas mit Pferden zu tun gehabt.

Mir hat das Reiten dann gleich großen Spaß gemacht, weil ich es vorher nie durfte. Es ist ja immer so: Wenn man etwas nicht hat, dann will man es erst recht! Ich wollte immer schon reiten. Aber ich durfte erst nicht, weil meine Eltern gesagt haben, das ist so teuer. Es war weniger deswegen, weil sie es zu gefährlich fanden. Meine Mutter hat zwar ziemlich viel Angst vor Pferden, aber sie mag sie trotzdem ziemlich gerne. Und mein Vater fährt selbst Motorrad, der hatte daher in der Hinsicht nichts zu melden. Und dann gab es eben diese Voltigiergruppe, bei der ich mit meiner Freundin zusammen immer mitgemacht habe. Mit zehn Jahren haben mir meine Eltern dann aber doch Reitstunden auf einem Isländer-Pferdegestüt spendiert, und dann kam das mit den Reitstunden bei der Freundin meiner Mutter.  

Seit eineinhalb Jahren habe ich jetzt bei deren Pferd Shirley eine Reitbeteiligung. Das bedeutet, man bezahlt einen gewissen Betrag oder hilft im Stall aus, und dafür darf man das Pferd dann pro Woche so oft reiten, wie man vereinbart hat. 

Ausmisten ist nicht so romantisch

Katharina und die Stute Shirley (Bild: privat)

Es macht mir großen Spaß, mit Pferden zusammenzuarbeiten, weil es supernette Tiere sind. Auch das Ausreiten macht mir großen Spaß, weil man da zum Beispiel auf fünf Metern Rehe sieht, wo man zu Fuß sonst einfach nicht hinkommt. So „romantisch“ wie früher als Kind sehe ich das Reiten aber nicht mehr, weil ich ja täglich im Stall stehen und die Box ausmisten muss. Aber ich weiß noch, dass ich als Sechsjährige immer bei meinem Opa zum Pferdestall gelaufen bin. Dort habe ich die Pferde gestreichelt und alle mit Fragen gelöchert. Also für mich war das Reiten schon immer eine große Sache. Früher, als ich voltigiert habe, habe ich sicher zehn dicke Sachbücher über Pferde durchgelesen, die eigentlich für Erwachsene waren, und halt die typischen Pferdebücher für Mädchen, so was wie „Bille und Zottel“. Sachbücher schaue ich mir auch heute noch gerne an, weil man zu dem Thema eigentlich nicht auslernen kann, aber die typischen Pferdebücher mit Reiterferien und so lese ich nicht mehr.   

Seit diesem Sommer nehme ich an Springstunden teil, aber ich mache eigentlich kein Disziplinreiten und gehe auch nicht auf Turniere. Vielleicht später mal, aber eigentlich ist mir das Turnierreiten zu stressig. Da muss man um fünf Uhr morgens aufstehen – das mag ich nicht!  

Normalerweise reite ich drei-, viermal die Woche. Das kommt darauf an, ob Ferien sind oder nicht. Ich merke auch, dass mir die Shirley und das Reiten fehlen, wenn ich im Urlaub bin. Man baut da eben schon eine persönliche Beziehung zu dem Pferd auf. Die Shirley wiehert mir normalerweise immer zu, selbst wenn sie auf der Koppel steht und obwohl Fressen doch eigentlich ihre Lieblingsbeschäftigung ist.  

Muskelkater gibt es auch schon mal

Das Besondere am Reiten ist, dass so ein Pferd einfach mal besser drauf ist und mal schlechter. Und eigentlich ist es halt immer da, wenn du was von ihm willst oder von ihm brauchst oder einfach nur ein bisschen mit ihm spazieren gehen willst. Reiten ist kein Sport, bei dem man schwitzt oder so. Aber danach hat man immer ziemlich Hunger und ist k.o. Beim Reiten werden eigentlich alle Muskeln beansprucht, weil man das Pferd mit dem ganzen Körper halten muss, auch die Körperhaltung muss immer stimmen. Wenn ich länger nicht geritten bin, nach den Ferien zum Beispiel, bekomme ich regelmäßig Muskelkater. 

Neben dem Reiten muss ich mich auch um den Stall kümmern und alles ausmisten, was nicht unbedingt immer lecker riecht ... Ich muss Pferde striegeln, Sattel putzen, und da wir vier Sättel haben, ist das ziemlich viel Arbeit. Wenn ich eine Stunde reite, muss ich auch eine Stunde im Stall arbeiten. Das ist zeitaufwändig, aber meistens mache ich die Shirley abends fertig, da kann man vorher die Hausi machen oder lesen, und dadurch geht das eigentlich.

Wenn du selbst zu reiten beginnen möchtest, solltest du dir auf jeden Fall erst den Schulstall anschauen, ob er auch schön und für die Pferde gut ist und ob die Pferde auch nicht zu viel machen müssen. Viel mehr Tipps kann ich gar nicht geben – entweder du willst das wirklich oder nicht. Grundsätzlich kann man aber jederzeit mit dem Reiten beginnen. Ich selbst bin eigentlich nicht sonderlich sportlich, und Reiten ist auch nicht nur etwas für sportliche Leute. Es ist schön für alle, die gerne draußen sind, gerne was mit Tieren machen und sich dafür interessieren – nicht nur für das Reiten, sondern auch für das Pferd. Ich kenne da viele kleinere Kinder, die sich einfach nur für das Draufhocken interessieren und eigentlich nicht so für das Pferd, und das finde ich eigentlich schade. 

Reitsport ist mit der Zeit populärer geworden, aber eigentlich nur die S-Turniere, die im Fernsehen kommen. Ich glaube, sonst bleibt es ungefähr gleich, weil halt immer die Mädchen reiten wollen. Im normalen Reitstall sind die Jungs weiter sehr in der Minderheit. Aber wenn man in den Dressur- oder Springsport schaut, dann sind es meistens Männer. Ich frage mich, wo die Reiten gelernt haben! Bei uns im Reitverein gibt es einen Jungen, der ist jetzt 17, und es gibt auch Männer, die reiten. Aber Jungen eher nicht.

Wenn ich erwachsen bin, möchte ich gerne etwas mit Pferden machen – etwas, bei dem ich viel draußen bin! 

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